Ohren auf!

Vokal brutal

Kultur | Klaus Taschwer | aus FALTER 36/06 vom 06.09.2006

Heinrich Heine ist seit ziemlich genau 150 Jahren tot. Das war einem findigen deutschen Literaturfunktionär Grund genug, Mauri Antero Numminen für eine musikalische Adaption von Heines romantisch-revolutionärer Poesie zu engagieren. "M.A. Numminen singt Heinrich Heine" (Trikont/Hoanzl) betitelt sich das entsprechende Werk, wobei das Verb "singt" eindeutig einen Euphemismus darstellt. Denn am stimmlichen Unvermögen des akademisch gebildeten Multitalents (Numminen schreibt auch Romane und komponierte zuletzt ein mehrstündiges Oratorium) hat sich in den letzten vier Jahrzehnten nur wenig geändert. Neu ist, dass der Gründervater des neorustikalen Jazz den Techno entdeckt hat, den er liebevoll "maschinelle Musik" nennt. Und so erklingen zwölf ausgesuchte und haarsträubend intonierte Heine-Gedichte in erstaunlich groovigen Arrangements für Streichquartett, Klavier, Vibrafon und Drumcomputer.

Didi Bruckmayr wiederum, österreichischer Extremsänger mit WU-Doktorat, beschränkt sich bei


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