VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 36/06 vom 06.09.2006

Es war die tragische Saison des Theaters in der Josefstadt; Schauspieler und Regisseur Boy Gobert sollte mit dem Regisseur und Dramaturgen Ernst Wendt die Leitung des Theaters übernehmen. Beide starben innerhalb von zwei Monaten, Wendt am 12. August 1986, wenige Wochen ehe ihre erste Saison beginnen hätte sollen.

Der Falter brachte unter dem Titel "Keiner hört zu, es sei denn, man schreit" posthum einen langen Abdruck eines Vortrags, den Wendt in München gehalten hatte. Darin hieß es: "Die Bilderflut, darüber muss man sich nicht wundern, nimmt uns bereitwillig die Anstrengung des Gedankens, der rationalen Formulierung und der Sprachlust ab. Längst werden Fernsehserien, aber auch politische Magazinbeiträge nach der Erzählstruktur einer Werbesendung aufgebaut, geschnitten, getextet. Und dieses Sperrfeuer der Bilder, die nicht mehr über Inhalte informieren, sondern für Empfindungen, um Zustimmung und Kauf ,werben', wird längst auch aufs Theater gerichtet. Die alternativen Gruppen bedienen sich mehr und mehr der Strukturen von Unterhaltungsshows, und ob es sich dabei noch um eine persi-flierende Absicht oder schon um eine bequeme Anpassung an die formalen Übereinkünfte handelt: Das ist nicht mehr auszumachen."

Klingt etwas bedenkenträgerisch. Passt aber ganz gut zum Start von Österreich. A. T.


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