STANDPUNKT

Ein seltsames Paar

Politik | aus FALTER 36/06 vom 06.09.2006

Ein paar Bobos, Steuerberater und Schwule werden sich an die Partei noch erinnern: Mit modernem Schick und ein paar anständigen Ideen versuchte in den Neunzigern ein Liberales Forum (LiF) Fuß zu fassen. Jetzt feiern die Liberalen, die 1999 aus dem Parlament flogen, eine Art Comeback. Die SPÖ schloß mit dem LiF ein Wahlbündnis und schenkt Parteichef Alexander Zach einen Sitz im Nationalrat. Eine gute Partnerwahl? In der Gesellschaftspolitik (Ausländer, Homosexuelle) gibt sich das LiF so, wie die SPÖ sein sollte, in der Wirtschaftspolitik so, wie die SPÖ nie sein wollte. Die Blass-blauen geißeln die Bürokratie, wettern gegen die Sozialpartnerschaft und fordern: Steuern runter! Die Sozialdemokraten sorgen sich um den Wohlfahrtsstaat, hassen den Neoliberalismus und warnen vorm Kaputtsparen - in diesen Fragen stünde ihnen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache mit seinen vulgärsozialistischen Slogans näher. Doch welcher Wähler fragt schon so genau nach? Der SPÖ tut ein liberaleres Image gut - und das erkauft sie sich nun mit dem LiF. Endlich nehmen die Sozialdemokraten das Heft in die Hand, indem sie sich selbst zum Thema machen. Und wer weiß, vielleicht bringt der Pakt tatsächlich entscheidende Stimmen. Wenn's am Ende doch nicht reicht, dann kann zumindest niemand SP-Chef Alfred Gusebauer vorwerfen, nicht alles versucht zu haben. G. J.


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