Der Stoff unserer Zeit

Politik | Robert Misik | aus FALTER 36/06 vom 06.09.2006

9/11 Zum fünften Jahrestag erzählt sich Amerika die Geschichte vom 11. September neu - und verwandelt sie in einen uramerikanischen Mythos über die Tapferkeit freiheitsliebender Menschen. Eine Strategie gegen die politische Instrumentalisierung des epochalen Moments?

Man sieht die Menschen, wie sie hastig nach unten fliehen, und die Feuerwehrleute, wie sie nach oben stürmen. Den Rauch. Die Pfützen der Löscharbeiten. Die staunenden, fragenden, entsetzten Gesichter. Man hört Lärm, von dem man nicht weiß, woher er kommt.

Was man nicht sieht in Oliver Stones neuem Film World Trade Center (hierzulande ab 28. September im Kino), das sind die bekannten Bilder, die, die sich aller Welt eingeprägt haben. Und dann realisiert man, dass die einzigen Menschen auf diesem Planeten, die die kanonisierten Sequenzen nicht kennen, die die Flugzeuge nicht gesehen haben, wie sie am 11. September 2001 in die Türme des World Trade Center in New York krachten, jene Menschen sind, die sich in den beiden


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