Indizien und Falle

Wie rechtfertigt sich Geiger? "Ich habe nie eine Razzia verraten. Ich wollte ihm lediglich helfen, sich gegen schikanöse Überprüfungen seines Betriebes zu wehren", sagt Geiger. Das Treffen mit B. sei bereits länger geplant gewesen. Außerdem habe B. bereits von einer bevorstehenden Razzia gewusst. Tatsächlich ist es so, dass die beiden mehrmals in dieser Woche telefonierten, um einen Termin zu vereinbaren. Auch B. sagt aus, dass ihn mehrere Informanten von der Polizeiaktion in Kenntnis gesetzt hätten. Allerdings waren Razzien oder besagte Liste vor dem 9. März niemals Gesprächsthema. Auch setzte B. die Sicherheitsmaßnahmen - Bestellung des Anwalts, Information seiner Mitarbeiter und Geldgeber - erst nach dem Gespräch mit dem Kriminalisten.

Politik | Matthias G. Bernold | aus FALTER 36/06 vom 06.09.2006

JUSTIZ II Hofrat Ernst Geiger wurde wegen Geheimnisverrats zu drei Monaten bedingter Haft verurteilt. Es hätte für ihn schlimmer kommen können.

Die Tochter beginnt zu weinen, als Ernst Geiger, suspendierter Chef der kriminalpolizeilichen Abteilung und einer der renommiertesten Polizisten des Landes, nach 28 Jahren mustergültiger Laufbahn mit einem - noch nicht rechtskräftigen - Schuldspruch dasteht. Die Emotionen der 21-Jährigen sind zwar verständlich. In Wahrheit ist das Urteil von letzter Woche aber milde. Nicht, wie in der Anklageschrift beantragt, des Amtsmissbrauchs wurde er schuldig gesprochen, sondern bloß des weniger streng bestraften Geheimnisverrats. Geiger sei nämlich nicht nachzuweisen, dass er durch sein Handeln jemanden vorsätzlich schädigen wollte.

Für die Anklage hat Staatsanwalt Friedrich König eine Indizienkette erstellt, die nur nach Meinung von Verteidiger Manfred Ainedter "dünn ist wie die Perlenkette eines dreijährigen Kindes". Die Kette besteht im Wesentlichen


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