STREIFENWEISE

Kultur | Drehli Robnik, Klaus Nüchtern | aus FALTER 36/06 vom 06.09.2006

Der Schmäh von "Snakes on a Plane" ist, dass der Titel genau benennt, was der Film zeigt: viele Giftschlangen, die ein Gangster zwecks Zeugenbeseitigung auf Passagiere eines Transpazifikfluges loslässt. Was an dem mies inszenierten, getricksten und gespielten Routineschocker mit Samuel L. Jackson gut sein soll und warum er überhaupt ins Kino kommt, anstatt in den DVD-Wühlkisten des Elektrofachhandels zu verenden, versteht nur, wer den Überschmäh kennt: Dieser Unfilm tritt als Restgebrauchswert zur Einlösung eines Hypes an, in dessen Verlauf Massen von Bloggern sich den Schlangenstreifen als Schundverkultungsvehikel angeeignet haben - noch während seiner Produktionsphase und mit Unterstützung des hocherfreuten Studios. Als Schenkelklopfer über gezielt unfreiwillige Komik oder als kultursoziologisches Proseminararbeitsthema mag "S.O.A.P." (so das Eingeweihtenkürzel) durchgehen. Ansonsten ist das Trashmarketing hier so gut, dass der Film schon wieder schlecht ist.

Über mangelhaftes Handwerk braucht man sich in "Cars", der jüngsten Kooperation von Disney mit den digitalen Tricksern von Pixar, erwartungsgemäß nicht zu beschweren. Der Hund liegt anderswo begraben: Die Hochleistungsrechner wurden diesmal nicht zur Animation aufmüpfiger Ameisen, fürsorglicher Fische oder milder Monstren verwendet, sondern für Rennautos. Und deren anthropomorphes Potenzial ist auch dann beschränkt, wenn man ihnen Augen auf die Windschutzscheibe pickt und die Zunge aus dem Kühlergrill hängen lässt. Aber selbst darüber ließe sich generös hinwegsehen, wäre die Story um die Ambitionen des ehrgeizigen und begabten Greenhorns Lightning McQueen, der irrtümlich in einem Kaff an der Route 66 strandet, nicht so altbacken, plump und klischeebeladen. Dass eine eigene Ösi-Synchronisation mit Heinz Prüller und (einem unglaublich hölzern lesenden) Niki Lauda existiert, hilft da auch nicht weiter.


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