KUNST KURZ

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 36/06 vom 06.09.2006

Eine Ausstellung zur Frau in der Kunst, was für ein originelles Thema. Die Sammlergattin Elisabeth Leopold hat sich für ihr erstes kuratorisches Werk "Körper, Gesicht und Seele" (bis 2.10.) im eigenen Haus weder zeitlich noch inhaltlich groß eingeschränkt: Die im Leopold Museum versammelten Frauenbilder reichen vom 16. bis ins 21. Jahrhundert. Darstellungen von "Heroinen, Huren, süßen Mädels, Akten, Damen, Künstlerinnen etc." sollen ein "facettenreiches" Weiblichkeitsbild liefern. Von feministischer Kunstgeschichte unbeleckt lässt's sich munter hängen. 200 Millionen Euro Versicherungswert decken schon etliche Schätze ab, da geht sich eine Dame von Gainsborough von der Londoner National Gallery und eine Maria mit Kind von Lukas Cranach auch noch aus. Zum Thema "Erotik" hat die Schau fast noch mehr zu bieten als zum Bildkreis "Mutterschaft". Die "Rebellische Frau" soll die Brücke in die Jetztzeit schlagen. Nur blöd, dass Shirin Neshat auf treue Staatsdienerinnen im Iran anspielt, wenn sie sich mit Schleier und Gewehr fotografiert. Auch in den verrätselten Gemälden der Künstlerin Gerda Leopold, der Tochter der Kunstsammler, ist ein weiblicher Emanzipationsakt schwer auszumachen. Nicht einmal die Kraft der Liebe vermag hier heilend zu wirken: Kraut und Rüben auch im letzten Raum der Schau, der unter "Paare" mit einem großen Spätwerk Egon Schieles abschließt.

Der Künstler als Bastler hat in den letzten Jahren ein Revival erlebt. Der Künstler Ian Burns baut aber keine trashigen Installationen, sondern zimmert kinetisches Miniaturtheater zusammen. Bei hilger contemporary (bis 30.9.) steht eine beachtliche Anzahl von Skulpturen, die sich auf Knopfdruck zu bewegen beginnen und kurze Episoden in Form von Schattenspielen erzählen. Echt witzig "I love Baywatch": Da spricht ein Bikinioberteil aufgeregt, bis Alarm ertönt - und schon wetzen Füße in Stöckelschuhen eilig los.


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