Fragen Sie Frau Andrea

Hinterhandhalterei

Stadtleben | aus FALTER 36/06 vom 06.09.2006

Liebe Frau Andrea,

dieses ist mir ein Rätsel: Wo kommt die Redensart "Etwas in der Hinterhand haben" her? Ist das ein Spruch aus dem Reitsport? Pferde haben ja angeblich eine Hinterhand, obwohl sie Huftiere sind. Oder ist das ein Kartenspieler-oder gar ein Mutantentrick?

Mit den besten Grüßen, T. Stanislawski from The Stanislawskis, Internet

Dear T from The,

wie Sie richtig vermuten, ist das Haben in der Hinterhand eine kartenspielerische Situation. Als Vorhand bezeichnet man etwa beim Skat den Spieler, der die erste Karte auszuspielen hat. Auf Vorhand folgen Mittelhand und dann Hinterhand. Im alltäglichen Wienerleben finden sich zahlreiche Beispiele an Hinterhandhalterei. Da fiele mir der Pizzabote ein, der an unsere Gegensprechanlage läutet und seinen Satz "Die iste die Pitsasövis" aufsagt, aber für alle Fälle einen nachgemachten Post-General-Haustor-Schlüssel in der pakistanischen Hinterhand hat, mit dem er komfortabel ins Haus könnte, ohne uns zweimal aus dem Sofa zu holen. Oder die Zahnarztgehilfin, die innerhalb der nächsten sechs Monate kein einziges halbes Stündchen für den sturmläutenden Backenzahn finden will, selbstverständlich aber jede Menge kommoder Termine für Zahnhalsstreicheleien im Freundeskreis in der Hinterhand ihres Kalenders hortet. Terminhinterhandhalterei beherrschen auch Telefongesellschaften, Installateure, Mountainbike-Reparaturwerkstätten, Notebook-Ambulanzen und die Toilettenschlüsselwarte von Naschmarktbobolokalen.


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