"Gemmas an"

Stadtleben | Wolfgang Paterno | aus FALTER 36/06 vom 06.09.2006

ZEITGESCHICHTE Im Oktober 1956 erhob sich in Budapest das Volk gegen die Lüge und Gewalt der Diktatur, zugleich begann ein Massenexodus. Eine Ausstellung des Wien Museum thematisiert Flucht und Aufnahme in Wien.

Zum Beispiel Johann Szegö. 1956 flüchtete Szegö, damals noch um "dreißig Kilo jünger als heute", von Budapest über die Grenze nach Schattendorf. Die Flucht war, so sagt er heute, die "Zäsur meines Lebens". Damals wollte der Zwanzigjährige "weg, weg, weg", am besten in die USA - der amerikanische Traum. Wien ist es schließlich geworden: Ende Oktober 1956 machte sich Szegö, heute siebzig und seit Jahrzehnten verdienter Präsident des Vereins der geprüften Fremdenführer Wiens, auf den Weg Richtung Staatsgrenze, kurzentschlossen, überfallsartig: Zwölf Stunden fuhr er mit dem Zug von Budapest nach Sopron, einige Stunden war er zu Fuß unterwegs. "Patsch! Gemmas an", fasst er den Entschluss von damals in drei Worte. Die rechte Faust landet noch heute wie zur Bekräftigung


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