PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Maulaffen

Stadtleben | aus FALTER 36/06 vom 06.09.2006

... Da brachten sie einen Taubstummen zu Jesus, und baten ihn, er möge ihn berühren ...

Mk 7,31-37 (Evangelium am 23. Sonntag im Jahreskreis eines Lesejahres B)

Als unsere Hausmeisterin ein paar Wochen nach Einführung des Euro an Zucker verstarb, war gerade das Haus gegenüber renoviert worden. Und ich klagte zu ihr, wie es doch übertrieben worden sei, nun, wo die Malfarben so billig seien. Da antwortet unsere ehemalige Wirtin und Hausmeisterin, die göttliche Augustine Bauer: "Die ganze Welt ist übertrieben", und legte sich zum Sterben hin. Es müsste endlich einen Nobelpreis fürs Zurückhalten geben. Den kriegte sie posthum als Erste.

So träumte ich im Laufe der Woche, dass meine Mama sich im Sterben befände und mir Tricks und Tipps für nachher gäbe. Eindringlich und weise riet sie mir, beim Schinner (eine der vier Greißlereien Unternalbs) das billigste Beileidsbillet zu kaufen und es dem Vater zu übergeben. Nachdrücklich beschwor sie mich, kein Geld mehr zu vergeuden. Und ich - ganz sie - stimmte traut darin ein. Endlich traut mit der Mama! Da wachte ich auf und konstatierte, dass alle längst tot sind. Herr und Frau Schinner, die ich so liebte und die eine Bäckerei waren und Greißler, aufgelöst, alle verstorben und natürlich Vata und Mama, der Vata zuerst, 1992, und die Mama danach, 1997, alle, alle tot! Und dann konstatierte ich, dass ich immer dann von Gestorbenen träume, wenn ich meine Broteinheiten überschritt. Wenn ich aber die Broteinheiten einhalte, träume ich von Nochlebys. Doch ich träume meistens von Todys. Genauso habe ich mir erarbeitet, dass, wenn es kalt wird, der Körper Kot und Urin ausscheidet, was er nur kann, damit er nicht so viel beheizen muss in der Haut. Und wenn es wärmer wird, dann hält er alles zurück, um damit schwitzen, also kühlen zu können. So entstanden alle Bibeln, und das wurde alles notiert, damit die Nachwelt nachschauen kann. Und so wird jeder Körper zu seinem eigenen Dokty. Und wenn du Glück hast, dann gelingt dir bei gutem Wind dein Sterben mit Tempo. Du kannst beruhigt versterben, irgendwann wird ein Weisy butteln. Keine Gottheit, aber ein Weisy wird dich notieren. Stirb ruhig, kuschle dich in deine Neins!

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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