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Es reicht!

Politik | aus FALTER 37/06 vom 13.09.2006

Wegen seines Kampfes gegen den Halbmond steht er nun da wie ein Vollkoffer: Im ORF-Duell gegen Alfred Gusenbauer kramte Peter Westenthaler ein "Beweisstück" hervor, dass die Muslime nicht einmal mehr vor unseren Berggipfeln haltmachen. Weste zitierte einen Briefwechsel zwischen dem roten Wiener Integrationsbeauftragten und dem Vizepräsidenten des Alpenvereins und hielt ihnen vor, in luftiger Höhe Halbmonde statt Kreuze aufstellen zu wollen. Bloß: Die Korrespondenz war gefälscht, eine Künstlergruppe outete sich via Datum-Homepage als Urheber. Das Elaborat der Spaßvögel war auch an HC Strache gegangen, doch der FPÖ-Chef hatte das Schreiben überprüfen lassen. Abgesehen vom unfreiwillig komischen Ausgang: Die orange Vernaderungsaktion sollte gemeinsam mit dem Versprechen, 300.000 Ausländer abzuschieben, reichen, Westenthalers Zukunftspläne ein für alle Mal zu durchkreuzen. Bundespräsident Thomas Klestil strich einst die FPÖler Hilmar Kabas und Thomas Prinzhorn von Jörg Haiders Ministerliste. Den einen wegen "verbaler Entgleisungen", den anderen, weil er von fruchtbarkeitssteigernden Gratismedikamenten für Ausländer fantasiert hatte. Falls Westenthaler nach der Wahl tatsächlich auf den Posten des Innenministers spitzen kann, sollte sich Bundespräsident Heinz Fischer daran erinnern - und von seinem Vetorecht Gebrauch machen. N. W.


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