Abgeladen, allein gelassen

Politik | Hans Weiss | aus FALTER 37/06 vom 13.09.2006

PFLEGE Verängstigte Patienten, schlampige Ärzte, kaum bezahlbare Leistungen: Die Altersversorgung krankt an allen Ecken und Enden, auch wenn der legale Weg beschritten wird. Die Geschichte eines Patienten.

Als ich die Türe aufsperrte, hörte ich ein leises Wimmern. Ich erschrak und erstarrte, denn ich hatte angenommen, dass sich mein Schwiegervater wegen einer Lungenentzündung immer noch im Krankenhaus Lainz befand. Die Ärzte hatten mir versichert, man würde mich, genauso wie die für die häusliche Pflege zuständige Hilfskraft, vor der Überstellung benachrichtigen. Nun lag er hilflos neben dem Bett auf dem Boden, zusammengekrümmt und mit vor Schreck geweiteten Augen. Er war nur mit einer Windel bekleidet und zitterte am ganzen Körper. Alles war voller Kot, er selbst, die Bettwäsche, die Wolldecke. Der Geruch verursachte mir Brechreiz.

"Was ist passiert, Alfred?"

"Ja, die ham mi bracht. Die Rettung!"

Es war ein glücklicher Zufall, dass ich gekommen war, um seinen Kühlschrank aufzufüllen.


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