Schlicht statt ergreifend

Kultur | Andreas Dallinger | aus FALTER 37/06 vom 13.09.2006

MUSIKTHEATER Überraschend traditionell und enttäuschend verstaubt: die freien Opernproduktionen "Orfeo" und "Circus".

Der Zeremoniensaal im Schloss Schönbrunn diente seit Maria Theresia gelegentlich als Rahmen für Opernaufführungen. Grund genug für die Wiener Taschenoper, ihre Version von Christoph Willibald Glucks "Orfeo ed Euridice" in diesem architektonisch mäßig reizvollen Rokokoquadrat zur Aufführung zu bringen. Auf der in die Mitte des Raumes gerückten Spielfläche, hinter und zwischen dem durch weiße Schulterlätzchen zum stummen Chor uniformierten Publikum entwickelt die New Yorker Choreografin Jennifer Lacey ihre Inszenierung mit großer Schlichtheit und Zurückhaltung. Solisten, Chor und Tänzerinnen gruppieren sich von Szene zu Szene in reduziertem Geh-und Tanzgestus zu schnörkellosen Arrangements. Die Qualität der formalen Strenge verschwimmt aber im spannungslosen Körpereinsatz der Akteure. Sowohl die inneren Dringlichkeiten der Solisten wie die Macht oder Anteilnahme


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