STREIFENWEISE

Kultur | W. Kralicek / M. Omasta | aus FALTER 37/06 vom 13.09.2006

Vor knapp zwei Jahren hatte im Rabenhof das Kabarettstück "Freundschaft" Premiere, in dem am Beispiel eines Vater-Sohn-Konflikts die inhaltlichen Defizite der SPÖ verhandelt werden: Der Vater (Erwin Steinhauer) ist ein kleiner Sozibonze der alten Schule, der Sohn (Rupert Henning) ist ein zynischer Bobo aus der Werbebranche. Der von Henning und Florian Scheuba getextete Abend verstand sich ausdrücklich als Theaterstück, hatte aber außer ein paar guten Pointen nur zwei arg simpel gestrickte Charaktere zu bieten. Ein Manko, das sich im Kino noch katastrophaler auswirkt: Die Verfilmung, bei der Rupert Henning auch noch für die Regie verantwortlich zeichnet, ist Kabarettkino at it's worst. Abgesehen von einer sinnlosen Rahmenhandlung und einem nervigen Blasmusiksoundtrack (Mnozil Brass) wurde die Vorlage ziemlich unverändert auf die Leinwand übertragen. Der Effekt: Die beiden Figuren erscheinen dermaßen grotesk überzeichnet, dass es echt nicht mehr lustig ist. Bleibt nur noch die Frage, warum der Film ausgerechnet zwei Wochen vor der Wahl ins Kino kommt. Als ob es die SPÖ nicht schwer genug hätte.

Es muss fast zwanzig Jahre her sein, dass "Mala Noche", sein erster Spielfilm, im längst verblichenen Movie-Kino gezeigt wurde. Damals noch ein Geheimtipp, braucht Regisseur Gus Van Sant, dem das Gartenbau eine Retrospektive widmet, heute nicht mehr groß vorgestellt zu werden. Gezeigt werden alle elf Kinofilme des 1952 geborenen US-Filmemachers, dessen vielfach gebrochenes Werk sich von der schwulen Subkultur ("My Own Private Idaho") bis weit in den Mainstream hinein erstreckt ("Good Will Hunting"). Eine seiner überragenden, dabei selten gewürdigten Arbeiten realisierte er 1995: "To Die For", eine pechschwarze Satire auf den amerikanischen Traum von Erfolg und ewiger Jugend. In den Hauptrollen spielen Matt Dillon, einer der absoluten Lieblingsschauspieler Van Sants, sowie Nicole Kidman und Joaquin Phoenix. Das sollte als Empfehlung wohl ausreichen.


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