KUNST KURZ

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 37/06 vom 13.09.2006

Wenn sich jemand derart penetrant inszeniert wie der "Malerfürst" Markus Lüpertz, fällt es schwer, seine Kunst noch jenseits von boulevardesker Ausschlachtung zu betrachten. So sehr der 65-jährige Künstler aber reaktionäre Klischees bedient, ganz wohl scheint ihm im eigenen Seidenschalstereotyp nicht zu sein. Auf der ersten Seite seines Katalogs zur Schau im BA-CA Kunstforum (bis 5.11.) posiert Lüpertz mit nacktem Oberkörper, Goldketterl und Unterarmtätowierung als Jogginghosenprolet. Der kraftmeierische Stilbruch gehört genauso zu Lüpertz' Kunst wie Versatzstücke aus der Kunstgeschichte. Die vom Künstler gehängte Personale könnte man ob ihrer Heterogenität leicht für eine Gruppenschau halten. Am Anfang grüßt ein neuer Abguss der umstrittenen Mozartskulptur, für die letztes Jahr in Salzburg eine halbe Million Euro ausgegeben wurde. Wendet man sich genervt in den Nebenraum, so überrascht dort, wie Lüpertz große Gemälde von Wehrmachtshelmen (1970) und geometrisch abstrahierte Seerosen in Harmonie bringt. Die bemalten Bronzen, die der Künstler in den Achtzigerjahren inspiriert von "Alice in Wonderland" entworfen hat, machen trotz ihrer gedrängten Präsentation Spaß. Nach den gemalten Birkenwäldern geht's aber bergab. Mit den pastosen Bearbeitungen von Hans von Marées, Poussin und ungenannten Meistern verstaubt die Schau trotz genialischem Gestus unaufhaltsam.

Es ist ein Phänomen der Neunzigerjahre, dass Kunstbiennalen wie Schwammerln aus den Hauptstädten sprießen. Der Maler Mario Grubisic und die Wirtschaftspsychologin Irina Nalis lassen sich vom gesättigten Biennalenmarkt nicht abschrecken und organisieren vom 21.9. bis 10.10. die erste Viennabiennale. Es gibt keinen kuratorischen Schwerpunkt, lediglich eine Tendenz Richtung Osteuropa, und auch keine zentrale Ausstellung. Die vierzig beteiligten Künstlerinnen und Künstler eröffnen am 21.9. um 19 Uhr in Galerien und Kunsträumen (Programm unter www .viennabiennale.com).


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