Fragen Sie Frau Andrea

Priklopil

Stadtleben | aus FALTER 37/06 vom 13.09.2006

Liebe Frau Andrea,

verzeihen Sie die folgende Frage, aber wenn es jemand weiß, dann Sie: Was heißt "Priklopil" bzw. heißt "Priklopil" etwas? Armin Thurnher zitierte letzte Woche einen empörten Leser, der darauf hinwies, Priklopil heiße soviel wie "der die Falle zuklappt", Dichter Franzobel wiederum merkte kürzlich in einem Text im "Standard" an, "prikop" sei "der Graben".

Allerherzlichsten Dank,

Ria Kurtz, Margareten

Liebe Ria,

sowohl der von Ihnen erwähnte Leserbriefautor als auch Worteschmiedkollege Franzobel kommen der Sache schon recht nahe. Der Nachname Priklopil ist die österreichische Variante des tschechischen PrÇiklopil und wie Tausende andere Familiennamen unserer böhmischen Nachbarn ein redender. (Den Hatschek über dem "r" und damit jenen böhmischen Laut "rÇ", der in etwa so klingt, wie wenn man ein rollendes "r" gleichzeitig mit einem weich zischenden "sch" ausspricht, hat die slawophobe österreichische Bürokratie kassiert.) Der Name PrÇiklopil kommt wie Klestil (hat abgeschnitten), Musil (hat es tun müssen) und Dusil (hat Atem geraubt) von einem Verb, nämlich prÇiklopit, das pikanterweise zudecken, zuklappen bedeutet. (Das Substantiv prÇiklop bedeutet Deckel, Klappe oder auch Sturz.) PrÇiklopil ist die männliche Vergangenheitsform des Verbs prÇiklopit - er deckte oder klappte zu. Jenes Verlies, dem Natascha Kampusch jüngst so glücklich entkam.


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