PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Glückselige Wahlbrunst

Stadtleben | aus FALTER 37/06 vom 13.09.2006

... Wer mein Jüngy sein will, verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich ...

Mk 8,27-35 (Evangelium am 24. Sonntag im Jahreskreis eines Lesejahres B)

Jedwede Hoheitsverwaltung entfaltet vor Wahlen jedwede Emsigkeit, und Torberg hätte gesagt, und alle Kloverwaltung sitzt am Klo und kackt. Also U-Bahnen werden immer vor Wahlen eröffnet und spektakuläre Knackys werden immer vor Wahlen vor Gericht gezerrt. Diese Woche waren alle Polizistys vor Gericht und wurden bedingt verurteilt. Was auch immer Afrikanern in Ösy je an Leib und Leben von der Hoheitsverwaltung zustieß, noch nie saß eine Hoheitsverwaltung physisch höchstpersönlich je in einem Häfen. Immer alles nur bedingt. Mir ist jeder Nichthäfen recht, so also auch dieser. Aber eher gerate ich ins Gefängnis wegen Kinderschändung (mit Bastonade dienstags), weil ich immer "Jeansboys" schrieb und mich auf Bühnen gerne sadistieren lasse, als ein Polizisty auch nur einen Tag je physisch in sowas geriete. Sie gestehen, und das Wahlvolk bleibt unaufgewiegelt. Und sofort kommt in der Früh das Justizressort zu sich, zermartert sie die Sorge, dass wir im Gesetzesbuch vergessen haben, dass ein Monster wie Priklopil nur zehn Jahre kriegen würde, und nicht Rübe ab. Westenthaler und die anderen, "die nix besser sind", wie Gusenbauer glänzend formulierte, waren schon in totaler Panik ob der Sorge. Aber darüber wollte ich gar nicht kolumnieren, doch vor Wahlen überschlagen sich alle Sektionen in jedem Hotel. Und News zuzelt "dreißig Seiten" aus dem Nichts heraus, damit es sich verkauft.

Eigentlich wollte ich hemmungslos jubeln, wie unser Wahlkampf ins Positive schlägt. Und die Lobby der Versicherungswirtschaft bejubeln: Was uns vereinigten Stoisitzys nicht gelingt, schafft der Braintrust der Versicherungslobby in Würde, durch ausländische Kräfte gepflegt zu werden. Wie sie den Pflegenotstand zur Pflegepflichtversicherung hochstilisiert, und nun alle chauvinistischen Parteien einstimmen in den Chor der Besorgten. Denn - merke - nur das Materielle kann das Materielle verjagen, wie wir eigentlich schon beim Life Ball erlernen hätten können.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienst" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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