Mikrokosmos Mild

Christian Maier | Steiermark Stadtleben | aus FALTER 37/06 vom 13.09.2006

STADTLEGENDE Seit einem halben Jahrhundert belebt das Feinkostbeisl Mild die Stadt. Über einen Ort, an dem Dichter mit Sozialhilfeempfängern jausnen.

Sara, wie werden wir all das nur bezahlen?", fragte Stefan Mild seine Frau oft, nachdem sie gemeinsam das Mild, eine Mischung aus Feinkostladen und Beisl in der Stubenberggasse 7 im Herzen der Grazer Altstadt, eröffnet hatten. Doch die strenge Gemahlin ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und antwortete: "Schweig und arbeite, über so was habe ich noch nie nachgedacht."

Eine Lebenseinstellung, die Sara Mild wohl viel Kummer erspart hat. Aus Siebenbürgen in Rumänien kommend begann sie, ab 1956 gemeinsam mit ihrem Mann das Mild aufzubauen. Die Arbeitsteilung war schnell ausgemacht. Sara bekochte die Gäste und war für die bald stadtbekannten Schweinsbratenbrote verantwortlich, ihr Mann kümmerte sich um Finanzen und Bewirtung. "Er hat auf liebliche Art und Weise über die Gäste geherrscht", erinnert sich der Literat Alfred Kolleritsch.

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