STANDPUNKT

Falsche Fährten

Politik | aus FALTER 38/06 vom 20.09.2006

Wahlsieg? Bist deppert? Das geht sich nieeee aus", sagt der SPÖ-Funktionär. Ein ÖVP-Mann hingegen meint: "So wie's derzeit aussieht, wird es nicht reichen." Nimmt man dieser Tage die Statements von roten und schwarzen Parteigängern ernst, dann erringt bei den Wahlen am 1. Oktober keine der Großparteien den ersten Platz. Wahlkampf ist halt die Zeit der Spindoktoren, die Journalisten, und damit die Öffentlichkeit, gezielt auf falsche Fährten locken. Wer etwa um den Sieg kämpft, der macht sich gerne etwas kleiner, als er ist. Verbreiten die Medien die Kunde von einem knappen Rennen, legen sich die Funktionäre mehr ins Zeug, und die Stammwähler bleiben nicht faul zu Haus. Zu viel Understatement schadet freilich auch wieder, denn dann haut das Fußvolk vorzeitig den Hut drauf - eine wahre Kunst, da die Balance zu halten. Zwerge wie das BZÖ hingegen plustern sich mit Vorliebe auf. Schließlich wirft kein Wähler gerne die Stimme für eine Partei weg, die ohnehin nicht die Vierprozenthürde fürs Parlament packt; nur mit diesem drohenden "Fallbeileffekt" ist zu erklären, dass Peter Westenthaler öffentlich von 7,8 Prozent für seine Orangen fantasiert. Das Spiel existiert in unzähligen Varianten. Wer sich nicht manipulieren lassen will, der sollte Wahltipps nur von Menschen annehmen, die keiner Partei nahestehen. In Österreich bedeutet das: von fast niemandem. G. J.


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