TOD IM KLASSENZIMMER

"Ich werde die Schule klagen"

Politik | Matthias G. Bernold | aus FALTER 38/06 vom 20.09.2006

Am 23. Juni dieses Jahres wird Zorica Gergelyi vom Straflandesgericht schriftlich informiert, dass sie die "gerichtlich in Verwahrung genommenen Gegenstände PZ1 bis PZ4" abholen kommen könne. In dem Paket, das die Vierzigjährige wenige Tage später entgegennimmt, befinden sich die blutigen Kleidungsstücke ihres toten Sohnes Kevin: ein schwarzes T-Shirt, eine violette Unterhose, Bluejeans und ein weißer Pullover. Als sie das Paket öffnet, erleidet Gergelyi einen Nervenzusammenbruch.

Am 15. September 2005, es war der vierte Schultag am Währinger Polytechnikum, stieß ein Mitschüler Kevin ein Klappmesser in Herz und Bauch. Der 14-Jährige starb im Spital. Der ein Jahr ältere Täter wurde heuer im Juli zu sieben Jahren Haft verurteilt und sitzt seither in der Justizanstalt Gerasdorf am Steinfelde. "Es war kein gutes Jahr", sagt Frau Gergelyi mit bitterem Sarkasmus. Sie sitzt unruhig auf der Bank im Hinterzimmer ihrer Gastwirtschaft. "Nach dem Tod von Kevin habe ich eine Watschen nach


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