PRESSESCHAU

Medien | Julia Ortner | aus FALTER 38/06 vom 20.09.2006

Vorbildlich, wie die bunten Blätter im Wahlkampf auf die niedrigsten Instinkte setzen. Das Prinzip Neid, Missgunst & Vernaderung funktioniert ja bei einem schicken Skandal wie der Bawag-Misere besonders gut. News legte sich in Südfrankreich auf die Lauer, um den "flotten Bawag-Rentner" Helmut Elsner beim Porschefahren zu ertappen: "Elsner gibt Gas wie ein Teenie:" Verschwommene Tatbilder - alter Mann schaut aus Auto - und schmuftige Verfolgungsjagd inklusive. Elsner, dieser Penthausbesitzer! Cote d'Azur-Villenbewohner! Nobelfuhrparkinhaber! Herzleiden-Vortäuscher? Klar, dass die Staatsanwaltschaft auf die gewohnt seriöse Recherche zurückgriff und einen Haftbefehl für Elsner erließ. Ähnlich elegant legte es die Krone in Sachen Bawag an. Vorne Anschuldigungen von Banker Wolfgang Flöttl gegen Ex-Kanzler Franz Vranitzky, "Es gab keine Gegenleistung für die Million!", dahinter Vranitzkys Stellungnahme. Aber klare Botschaft für den Leser: Bonze! Eine Mille für null Hackn! Und weil Wahlkampf ist, schert es keinen, dass der hochbezahlte Consulter Vranitzky gar nicht die arge Ausnahme ist - in einer Welt, in der ein Generaldirektor eben das 10-bis 20.000fache von seinem Arbeiter verdient.


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