STREIFENWEISE

Kultur | Joachim Schätz, Michael Omasta | aus FALTER 38/06 vom 20.09.2006

Dass in einem Film von Neil Jordan dem Anschein weiblicher Reize nicht immer zu trauen ist, ist bereits seit seinem IRA-Thriller "The Crying Game" bekannt. Wenn zu Beginn seiner Tragikomödie "Breakfast on Pluto" eine extravagante Schönheit im Fummel und mit Kinderwagen eine Londoner Straße entlangspaziert, dann entpuppt sich auch diese feminine Erscheinung bald als Y-Chromosomenträger: Patrick "Kitten" Braden (Jungstar Cillian Murphy in einer strapaziösen tour de force) hat zu diesem Zeitpunkt, Mitte der Siebziger, bereits eine ganze Reihe illustrer Aventüren hinter sich, die in den folgenden zwei Kinostunden ein bisschen sehr ausladend erzählt werden. Die Entwicklung des irischen Findelkinds Patrick zur exaltierten Drag-Queen Kitten wird dabei kaum beschrieben, sondern in den ersten zwanzig Minuten einfach vollzogen und vorausgesetzt. Wenn er sich anschließend aufmacht, um in London nach seiner verschollenen Mutter zu suchen, dann prallen die ihm zahlreich zugefügten Demütigungen

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