Dissident und Diener

Kultur | Carsten Fastner | aus FALTER 38/06 vom 20.09.2006

MUSIK Vor hundert Jahren wurde der Komponist Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch geboren. In seiner Musik spiegelt sich ein ambivalentes Leben in der Sowjetunion wider.

Wer genau hinhört, wird bald einen Schimmer des Mondscheins aus Beethovens Sonate erahnen können. Ruhig und gleichmäßig funkeln gebrochene Dreiklänge in den wohl vertrauten Harmonien durch das Adagio aus Dmitri Schostakowitschs Sonate für Viola und Klavier, ehe nach einem kurzen Aufflackern die Bratsche auf einem langen Ton zu liegen kommt und das Stück sein gefasstes Ende findet.

Schostakowitsch hatte noch viele Pläne, als er - wenige Tage nach Fertigstellung seines Opus 147 - am 9. August 1975 in Moskau starb. Es mag also Zufall sein, dass ausgerechnet ein so entlegenes Stück wie eine Bratschensonate zu seinem letzten Werk wurde. Aber es ist ein schöner Zufall. Gerade in der Intimität der Kammermusik fand der prominenteste Komponist der UdSSR regelmäßig die in seinem Leben so seltene Gelegenheit, frei von


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