Aus der Existenztasche

Kultur | Armin Thurnher | aus FALTER 38/06 vom 20.09.2006

LITERATUR Elfriede Gerstls jüngster Gedichtband ist ohne Trost, aber keineswegs trostlos.

Mein papierener Garten", so heißt der neue Lyrikband der Wienerin Elfriede Gerstl. Zart klingt da der Titel eines Essaybands von Zbigniew Herbert an, "Ein Barbar in meinem Garten". Während dort aber Europa und dessen Kultur im Großen verhandelt werden, redet Elfriede Gerstl vom Überschaubaren. Der Hang zum Kleinen wird ja an dieser unbekanntesten unter den bekannten Wiener Dichterinnen gern hervorgehoben. Aber was ist schon klein an irgendeiner Welt?

Elfriede Gerstl leistet den Verkleinerungswünschen ihrer Interpreten gerne Vorschub: "Gedichte und Denkkrümel" nennt sie ihren neuen Gedichtband. Denkkrümel, das erinnert an den legendären Taschgrus bei Heimito von Doderer. Die Tasche, in der Gerstl herumsucht, ist ihre eigene Existenz. Sie braucht sie nicht einmal nach außen zu wenden, ein zartes Stochern genügt, schon entsteht vor uns eine ganze Welt. Der Blutdruck ist im Keller, die Stimmung

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