PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Fehler eines Dienstleisters

Stadtleben | aus FALTER 38/06 vom 20.09.2006

... Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein ...

Mk 9,30-37 (Evangelium am 25. Sonntag im Jahreskreis eines Lesejahres B)

Moment, Moment, ich wurde nicht "streng" katholisch erzogen. Da könnte genauso gesagt werden, diese oder jene Maus wurde streng mäusisch erzogen. Ja, ich wurde sogar nicht einmal streng "menschlich" erzogen, sondern geriet unter Menschen, wurde also nicht als Tintenfisch zur Welt gebracht, stieg sofort auf den Speicher des Stadels hinauf, den der Urgroßvater Prem meines Bruders 1889 erbaute, was er zu Recht groß hinaufschrieb, und bin bis heute nie wieder heruntergekrochen. Würde also tatsächlich von "streng katholisch erzogen" geredet werden können, wäre dies bereits eine Intellektualität, die geherrscht hätte. Jedoch ich wurde in die Mentalität der Sozialgesetze, die zu der Zeit - 1952, als ich geboren wurde, kurz nach den mörderischen Nazis - in unserer Einkommenslage bzw. unserem Landstrich herrschte, geworfen. Das träfe es schon eher.

Weil wenn ein Satz einmal wo geschrieben steht, wird er ja nun, hündisch ergeben, durch die Suchmaschinen verbreitet und von allen Schreibys abgetippt. Mein Miljö war nicht intellektuell, sondern duckmäuserisch. Schon weit tüchtiger, als ich es nun bin, aber keineswegs intellektuell, was irgendeine Abweichung vom Miljö bedeutet hätte. Lieber Narr mit als Narr allein. Das war das Axiom. Und ich ging aufs Dach.

Also ich sitze nach wie vor im obersten Stock des Stadels, und rühr mich keinen Millimeter dort weg. Autist schreibt sich das, was du gern wärst, sagte Manuel, als ich mit einem weichen d antanzte, als "Audist". Ja natürlich, einem Masochisten, der genüsslich gerne Au schrie, käme ein Sadist voll Liebe. Und es redete ja auch niemand mit mir, dass ich intellektuell irgendein Einrasten spürte. Nahm und nehme also nie was an, gehorche nie, sondern halt mich bequem. Schlafe, wann mir danach ist und esse, wann mir danach ist, ansonsten warte ich, ob sich etwas ereignet, um entrüstet Nein zu sagen.

Das Sexuelle hätte ich gern, aber es präsentiert sich nie kommod, sodass ich nie in seine Falle tappte. Während ich auf die große Falle zuschreite. Natürlich ist es fad, aber es ist beheizt. Und seit meine Eltern nicht mehr leben, wird es finanziell immer enger, und die Erpressung, Geld gegen Gehorsam, wird eine immer striktere Folter, so muss es allen Bodenschätzen gehen, die gewonnen werden und hernach raffiniert. Ununterbrochen ruft einer an, ich soll eine Adventstunde halten in Graz in einem "Café Zentral". So schrecklich ist die Zeit geworden, alle Klischees tragen Gewehr. Das ist das Protokoll zur Sekunde, für das Weisy notiert, das uns nach dem Tode, vielleicht, als Text in einer Truhe entdeckt. Ob Eltern oder Schwulenbewegung, allen müsste ich beitreten, dann wäre ich aber nicht mehr ich. Sogar Jesus riet, wer sein Leben behalten will, wird es verlieren.

Nur das Obszöne also griffe in die Neurosen ein, die du trabst, für einen Augenblick im Stadel, wenn du nicht denkst. Ganz kurz und ganz überraschend.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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