Kein Bal paré

Vorwort | Hermes Phettberg | aus FALTER 39/06 vom 27.09.2006

Kommentar Grün verehren und SPÖ wählen, damit sie die schreckliche Regierung verjagt. Eine Bodenlosigkeit.

Anhimmele ich natürlich die Grünen, aber wählen werde ich diesmal die Sozialdemokratie. Es ist zwar schwachsinnig, aber momentan erscheint es mir weise. Die Grünen träume ich mir nicht in die Regierung, sie sind mir zu schade. Seit der "Club 2" weggeschmissen wurde, sind sie unser einziger Think-Tank im Lande.

Ich habe ja auch seit Bestehen immer grün gewählt, und vorher nicht den Kreisky, weil ich schwarz sozialisiert wurde, aber natürlich habe ich den Kreisky angehimmelt. Es ist also schlecht, von Phettberg angehimmelt zu werden. Und wenn mich wer in ein Gespräch verstrickt, fliehe ich immer mit den Worten, da brauchst du gar nicht anfangen, ich bin Kommunisty. Also wähle ich heuer SPÖ, damit die schreckliche Regierung, die wir jetzt seit sieben Jahren haben, verjagt wird.

Natürlich werden jetzt alle sagen, dass es typisch für das Falty sei, das "von Roten für die Grünen gemacht wird" wie Nationalratspräsident Khol es einmal sagte. Es steht ja schon im Titel Falter, also abgekürzt "Für Alternative", wie die Grünen damals noch hießen, als der Traum uns erschien, ein Dingi (ein Beiboot) in die repräsentative Demokratie zu hieven. Allein schon, dass unser grüner Braintrust sich Jahr um Jahr mit denen, die sich bewerben, um Geld zu verdienen und alle Niedrigkeit der Gedanken erobern, um die Niedersten auf Gedanken zu bringen, allein, wenn du also in der gedanklichen Telepathie solcher Leute deine Zeit verbringen musst, wirst du niedergewalzt.

Indem also Van der Bellen und Glawischnig zum Beispiel von den journalistischen Methoden herangezogen werden wie zu Folternde im katholischen Mittelalter, wo ihnen vor Beginn alle Instrumente in aller Ruhe gezeigt werden, damit sie sich's überlegen könnten. Also das allein zerschleißt sie schon, ständig mit den Gierigen und Brutalen Umgang haben zu müssen. Zwei Tage redete jetzt Van der Bellen im ORF mit den Wüsten, mit Strache und Westenthaler, und wer repariert ihn uns jetzt? Er muss dann plötzlich Formulierungen finden, die die dümmste Wählersau auch noch irgendwie begriffe. Denn wenn nur helle Träumys die Grünen wählten, kämen sie nicht weit.

Ja, es ist natürlich eine Bodenlosigkeit, in diesem bereits doch vernünftigen Blatt so weit vorne so einen Text. Viele werden überhaupt sagen, ja mit Westenthaler kann es doch keinen Bal paré geben?

Ich wähle SPÖ, ja, und die Grünen deshalb nicht, damit sie mir ja nicht die ÖVP wieder herbeischleppen, abgelegt vom Westenthaler. Und nicht die kleinste Pause denen gestatten nach dem letzten Verkehr.

Ich bin nichts für Kommentare, ich bin ein Träumy und werde nicht leben können, aber vielleicht später einmal eine Legende. Ich wäre was fürs Parlament als 184. Abgeordnety, reden dürfend, damit sie lachen. Q


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