FERNSEHEN

Medien | Gerald John | aus FALTER 39/06 vom 27.09.2006

Man sah den ÖVP-Chef schon anders. Damals, anno 1995, predigte Wolfgang Schüssel noch Blut, Schweiß und Tränen. Die Prasser von der SPÖ lebten auf zu großem Fuß, wetterte er, nur ein beinharter Sparkurs könne das Land vor dem Kollaps retten. Herausforderer Schüssel fuhr mit dieser Linie ein, die Wähler stärkten lieber Kanzler Franz Vranitzky, der gegen besseres Wissen mehr oder weniger versprach: Alles bleibe beim Alten. Heute, zum Regierungschef aufgestiegen, spielt Schüssel selbst einen dieser Reformbremser, die er so gerne angriff. "Sie reden alles schlecht" war des Kanzlers Schlüsselsatz im Duell mit Alfred Gusenbauer. Der SPÖ-Kandidat, der in den ORF-Konfrontationen bewies, dass er offenbar doch nicht zu oberg'scheit ist, um sich ordentlich vorzubereiten, prangerte unverdrossen die Probleme in der Pflege, den Unis und den Schulen an. Wahrscheinlich, dass Gusenbauer recht hat. Unwahrscheinlich, dass ihm die Wähler recht geben. Ein hartes Urteil am 1. Oktober erwartet auch Hans-Peter Martin. Die bedrohlichen Vorzeichen: Der ORF spannte ihn für ein Exotenduell mit der KPÖ, dem ewigen Verlierer der Nachkriegsgeschichte, zusammen. Totschweigen wäre da fast noch besser.


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