STADTRAND

Leere Meter

Stadtleben | aus FALTER 39/06 vom 27.09.2006

Man wird in dieser Stadt viel zu oft angequatscht. Und wir reden hier jetzt nicht von Leuten, die nach dem Weg fragen. Das ist nämlich absolut in Ordnung. Nicht okay ist hingegen, wenn Konzertkartenverchecker, die den ganzen Tag im Barockkostüm herumstehen, sich nicht mehr darauf beschränken, Passanten, die mit umgehängtem Fotoapparat gemütlich vorbeischlendern, anzuhauen. Oder wenn Schnorrer statt des guten alten "Haben Sie vielleicht ein bisschen Kleingeld?" anfangen, elendslange Geschichten von gestohlenen Geldbörsen zu erzählen, bevor sie endlich auf den Punkt kommen. Besonders nervig außerdem die jungen Menschen, die für Non-Profit-Organisationen sammeln und auch nach dem dritten "Nein, danke!" noch immer hinter einem herrennen - was dem Image der jeweiligen NGO übrigens sicher mehr schadet, als die paar Euros, die auf diese Weise zusammenkommen, bringen. Leute, wir reden selbst jeden Tag eine Menge leere Meter. Und werden auch in der Arbeit und zu Hause laufend zugetextet. Manchmal möchten wir einfach schweigend durch die Stadt gehen. Geht das? Danke. M. S.


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