Irgendwo, nirgendwo

Stadtleben | Wolfgang Paterno | aus FALTER 39/06 vom 27.09.2006

STADTGESCHICHTE Früher galten die Bahnhöfe Wiens als Kathedralen der Mobilität, inzwischen haben sich die Orte der Ankunft und Abfahrt zu Einkaufszentren mit Gleisanschluss herunterentwickelt. Eine Ausstellung des Wien Museums ergründet nun die große Geschichte der einstigen Tore zur Welt.

Es fährt ein Zug nach Nirgendwo. Ein Sonntag im September, frühmorgens, aufgekratzte Stimmung am Bahnsteig: ÖBB 52.4984 schiebt sich am Südbahnhof samt Personenwagen rückwärts in Warteposition, steht dann still, das Stahlmonstrum faucht und raucht und zischt. Dampflok ÖBB 52.4984 ist von schwarzen Wolkenballen eingehüllt, es riecht, wie es hier nie riecht, es herrscht Stimmung wie nie: Der Südbahnhof, das Gravitationszentrum der grauen Normalität, ein Fleck im Nirgendwo, umtost von Autoverkehr und Fluglärm, verzaubert sich unter den Augen von Peter Hass-lacher in einen sagenhaften Ort, in eine aus Eisen und Beton gefertigte Zeitmaschine. "Früher war ein Bahnhof noch mehr Schloss als Bahnhof",


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