Die Kehlkopfakrobatin

Martina Stemmer | Stadtleben | aus FALTER 39/06 vom 27.09.2006

STADTMENSCH Sie ist die jüngste Dudlerin der Stadt: Agnes Palmisano hilft mit, eine alt-wienerische Singart vor dem Aussterben zu retten.

Dieser Frau ist vieles zu tief. "Die Leute finden keinen Zugang mehr zu hohen Stimmen, weil sie im Alltag praktisch nur noch tiefe hören. Christl Stürmer zum Beispiel. Dabei ist das hohe Singen etwas ganz Natürliches", sagt Agnes Palmisano. Sie selbst hat keine Höhenangst. Vor vier Jahren beschloss die in klassischem Gesang ausgebildete Pädagogin, den vom Aussterben bedrohten Wiener Dudler wiederzubeleben. Diese spezielle Singart, eine Mischung aus Jodler und (sehr hohem) klassischem Gesang, beherrschen in Wien nur noch ganz wenige Menschen. Das Dudeln ist ja auch schon vor langer Zeit aus der Mode geraten: Um 1830, im Biedermeier, kleidete sich das Bürgertum gern alpenländisch und traf sich in Salons. Die Dudlerinnen, die dort auftraten und ihre oft gar nicht so biederen Lieder sangen, genossen zum Teil hohes Ansehen. Eine der berühmtesten Interpretinnen

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