MEDIENTURM

Moderne reloaded

Steiermark Kultur | aus FALTER 39/06 vom 27.09.2006

Dem klassisch auf das Bild als zweidimensionales Ereignis konzentrierten Betrachter wird im herbst-Beitrag des Medienturms unter dem Titel "Further Processing" einiges zur kontemplativen Versenkung geboten. Das funktioniert deshalb so schlüssig, weil die Ausstellung, an inhaltlichen Strängen vorbei, auf eine Befragung des bildnerischen Werkzeugs hinaus will. Letzteres heißt Processing und ist eine Software, mit deren Hilfe alle gezeigten Arbeiten entstanden sind. Kontrolle, Kollaboration, Teilhabe, Open Source: Was der steirische herbst an Themenkomplexen vorgibt, schafft der Medienturm auf rein formaler Ebene zu problematisieren. Hier findet gewissermaßen das Projekt der Moderne, die Befragung der kunsteigenen Mittel und Praktiken jeder Illustration kunstfremder Historie voranzustellen, seine zeitgenössische Fortsetzung. Das zeigt sich selbst dort, wo die Visualisierungskompetenzen des Tools ausgelotet werden sollen. Schließlich meint Visualisieren hier nicht bloß ein Hinausschieben von Sichtbarkeitsgrenzen, sondern ein algorithmisch unterstütztes Generieren von Bildern, welche auch noch mit den abstraktesten Vorgaben gestalterisch fertig werden.

Im zweiten Teil der Ausstellung bleiben die Projektionen ganz bei sich: Karsten Schmidt und Marius Watz führen vor, wie sich virtuelle, skulpturale Formen aus Dreieckflächen oder Kreisbögen stetig neu zusammensetzen. Bei Lia und C.E.B. Reas überlagern sich die komplexen Formen zu einem vielschichtigen allover. So wird Performativität als Sichtbarmachen der Werkgenese dorthin zurückgeführt, wo sie - bei Jackson Pollocks Action Paintings - ihren Anfang nahm. U. T.

Further Processing. Generative Kunst, offene Systeme, Medienturm, Josefigasse 1, 8020 Graz, bis 25.11., Di-Fr 14-18, Sa 11-18 Uhr.


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