VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 40/06 vom 04.10.2006

Vor zwanzig Jahren skizzierte Dietmar Steiner das Salzburg-Projekt des damaligen Planungsstadtrats Johannes Voggenhuber mit Sätzen, die heute wie damals gelten:

"Wenn alle Meinungszauberer des Landes, Ifes, Fessl und alle anderen Blitztelefongefühlsausloter in den dumpfen Wald tiefösterreichischer Heimatwünsche hineinrufen würden, so bekämen sie allesamt heute diese Antwort: Die Stadt, sie muss im Zentrum sauber und alt sein, viel Grün vor der Haustür, kein Auto soll mehr stinken, kein Motorrad darf laut sein, und an der Straße, fußgängergezont, müssen hübsch dekorierte Fassaden stehen - und überhaupt gehören alle Bauspekulanten verjagt, und nur der ,Künstler', der das Besondere bietet, darf auch bauen.

Genauso wäre sie, die ,europäische Stadt' der nächsten Zeit. Und sie wird in vielen Zielen und Anstrengungen des ,Salzburg-Projekts' auch getroffen, besser als anderswo. Aber genau diese Tendenz ist ambivalent. Ist sie doch einerseits populistisch, weil alle, im Konsens, das so wollen - aber nirgendwo anders als in Salzburg dem entsprochen wird. Und diese romantisch-harmonische europäische Stadt ist gleichzeitig Traum, weil dafür, für dieses Wunschziel, sich niemand dann wirklich persönlich unterordnen will, auf seinen kleinen privaten Vorteil, der ganz eigennützig gegen die große Lösung gerichtet ist, verzichten will.

Deshalb üben sich alle listigen und etablierten Politiker in der Kunst der medialen Ankündigung, deshalb werden die konkreten Maßnahmen zurückgehalten, nicht exekutiert, deshalb sind die ,Macher' jene, die viel sagen und nichts tun, deshalb lebt die offizielle Politik davon, von einem Bild zu schwärmen und in der Wirklichkeit das Gegenteil oder gar nichts zu tun." A. T.


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