WAHLTHEMA BAWAG

Skandal mit Fehlzündung

Politik | aus FALTER 40/06 vom 04.10.2006

Die Rechtfertigung für die Niederlage war wohl bereits geschrieben. Sie hätte auch nur fünf Buchstaben umfasst: B-A-W-A-G. Doch dann kam alles anders. Warum zog der Skandal um die Gewerkschaftsbank die SPÖ nicht, wie prophezeit, in den Abgrund? Mögliche Erklärungen gibt es viele. Die letzte "Bawag-Bombe" zündete wohl zu früh. Drei Wochen vor dem Tag X plauderte die Schlüsselfigur Wolfgang Flöttl über Zahlungen an Ex-SPÖ-Kanzler Franz Vranitzky, die ÖVP trommelte das Thema in der Folge fast täglich. Gut möglich, dass sich bis zum 1. Oktober beim Publikum ein Overkill eingestellt hat, außerdem konterkarierte das Bawag-Gezeter die schwarze Schönwetterkampagne. Vielleicht ging der Schuss sogar nach hinten los. Schließlich tauchten Fotos auf, die Kanzler Wolfgang Schüssel gemeinsam mit dem im Zuge der Affäre verhafteten Ex-Bawag-Boss Helmut Elsner am Klavier zeigten. "Die Macht der Bilder ist groß", sagt der Politikberater Harry Schranz, würdigt aber vor allem einen Schachzug, für den sich Alfred Gusenbauer ordentlich prügeln lassen musste: "Die Distanzierung von der Gewerkschaft ist ihm sehr gut gelungen." Dem Meinungsforscher Christoph Hofinger vom Sora-Institut fällt noch ein anderer Grund ein: "Das Thema Bawag hat der SPÖ die dankbare Herausfordererrolle gebracht." Spurlos ging der Skandal an den Roten freilich auch nicht vorbei. Bei allem Jubel bleibt eine Tatsache: Eigentlich hat die SPÖ Stimmen verloren.


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