Mörtel, Marmor & Moral

Kultur | Matthias Dusini | aus FALTER 40/06 vom 04.10.2006

ZEITGESCHICHTE Das "Führerzimmer" im Volkstheater, die Nutzung der Wiener Flaktürme, der Verkauf von SS-Kasernen: Auch in der Architektur steigen die Emotionen, wenn von der NS-Zeit die Rede ist. Gibt es einen korrekten Umgang damit?

Der Granit ist warm von der Sonne. Etwas Nebel sammelt sich über dem Teich, leichter Wind streicht über die Stauden. Diese Idylle könnte die Vorlage für ein romantisches Aquarell sein. Aber sie ist der Steinbruch in Mauthausen, in dem Tausende Häftlinge erschlagen, erschossen oder zu Tode schikaniert wurden. Dieses Grauen ist für den Besucher unsichtbar; ein kleines Schild verbietet das Picknicken. Hier wurde der Stein abgebaut für die nahegelegene "Führer-Stadt" Linz. Das von dem SS-Unternehmen Deutsche Erd-und Steinwerke, GmbH (DEST) gegründete Konzentrationslager der Kategorie III hatte außerdem eine andere, mörderische Bestimmung. Kategorie III bedeutete: "Vernichtung durch Arbeit".

"Man kann solche Orte nicht beschreiben", sagt der Architekturhistoriker


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