Blumen auf Maos Grab

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 40/06 vom 04.10.2006

KUNST Während der Neunzigerjahre formierte sich in China erstmals eine eigenständige Avantgarde. Die facettenreiche Ausstellung "China Now" in der Sammlung Essl bringt sie nach Österreich.

Lasst hundert Blumen blühen", verkündete Mao Tse-Tung in einer Rede Anfang 1957. Unter dem Eindruck des Ungarn-Aufstandes und Nikita Chruschtschows Anklage von Stalins Verbrechen forderte Chinas Führer sein Volk erstmals nicht zur Selbstkritik, sondern zur Meinungskundgebung auf. Kurz sah es so aus, als könnten Intellektuelle, Künstler und die gebildete Schicht die kommunistische Revolution mitgestalten.

Ob Mao wirklich um Offenheit bemüht war oder seine Gegner perfid in die Falle lockte, bleibt eine historische Streitfrage. Der Sensenschwung der Partei mähte die kritischen Blüten nach wenigen Monaten nieder und machte die Intelligenzija durch Deportation und Zwangsarbeit endgültig mundtot. Die kommunistische Partei ahndet auch fünfzig Jahre später noch Tadel an ihrer Politik. Das gilt auch


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