NÜCHTERN BETRACHTET

Unter Reihern

Kultur | aus FALTER 40/06 vom 04.10.2006

Für meinen quartalsmäßigen Berlinbesuch kam diesmal das Ell-Zeh-Beh am Wannsee auf, wo ich als Roadie von Doktor H. gebucht war. Die erste Begegnung mit der Berliner Version von Charme machten wir gleich beim U-Bahnticketerwerb in Tegel, wo Doktor H.s Wechselgeldauszahlungsverhinderungsangebotshinweis, er habe die vierzig Cent eh genau, vom Beh-Vau-Geh-Mann mit einem trockenen "Zu spät" abgeschmettert wurde. Kurze Zeit darauf dann im Prater, wo die Kastanien knallend neben den spielenden Kindern aufschlugen und Menschen mit üppig Tagesfreizeit - es war ein Montag - gemütlich beim Bier saßen, wurde mir Selbiges von der Tresenfrau erst ausgefolgt, nachdem ich meine Sonnenbrille - es war ein sonniger Spätsommermontag - abgenommen hatte: "Ist auch höflicher so!" Auf genauere biometrische Kontrollen verzichtete sie generös. Weil Doktor H. und ich zwei alerte Kerle mit intakten Reflexen in Sachen interkultureller Adaptionsleistung sind und in Gastländern nur ungern als Gäste auffallen,


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