Wut malen Seele auf

Stadtleben | Matthias G. Bernold | aus FALTER 40/06 vom 04.10.2006

PSYCHIATRIE Als er 1964 von Australien zurückkehrte, erklärte man ihn für geisteskrank. Seither kämpft Friedrich Degenhart um seine Rehabilitierung. Vierzig Jahre dauerte es, bis er überhaupt Einsicht in seinen Krankenakt bekam.

Samson stemmt sich mit übermenschlicher Kraft gegen die beiden Säulen, drückt den Stein auseinander und beiseite. Seine Muskeln sind angeschwollen, die Adern treten grotesk hervor. Schon gibt das sperrige Material nach, schon bröckelt die Decke, denn die beiden Pilaster dienen ihr als Stütze. Samson steht kurz davor, sich unter Trümmern zu begraben. Das wuchtige Gemälde, bei dem die Rahmung zum dreidimensionalen Teil der Darstellung wurde, schmückt das Wohnzimmer der kleinen Floridsdorfer Gemeindewohnung. So dicht hängen die Bilder - kein weiteres hätte Platz. Der Stil erinnert an die politischen Karikaturen und die fantastische Malerei des beginnenden 20. Jahrhunderts und ein bisschen an Hieronymus Bosch. Kräftige Farben, grafische Elemente, Symbolismen.


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