DAS ROSENHAN-EXPERIMENT

Zur Zuverlässigkeit der Psychiatrie

Stadtleben | aus FALTER 40/06 vom 04.10.2006

1973 veröffentlichte der US-amerikanische Psychologieprofessor David L. Rosenhan in der Zeitschrift Science den Bericht über sein Experiment zur Ermittlung der Zuverlässigkeit psychiatrischer Diagnosen.

Fünf Männer und drei Frauen - alle geistig gesund - erzählten Ärzten in zwölf psychiatrischen Krankenhäusern, sie würden Stimmen hören, die ihnen die Worte "leer", "hohl" und "dumpf" vorsagten. Keiner von ihnen wurde als Simulant entlarvt. Vielmehr wurden alle acht zwischen sieben und 52 Tage lang stationär aufgenommen und später mit der Diagnose Schizophrenie entlassen. Für den zweiten Teil des Experiments kündigte Rosenhan an, innerhalb der nächsten drei Monate kämen Pseudopatienten in ein bestimmtes Spital, um dort ebenfalls die Ärzte zu testen. Tatsächlich kam aber keiner aus Rosenhans Gruppe. Erstaunliches Ergebnis: Dennoch wurden unter 193 Patienten 41 "Simulanten" ausgemacht - 42 weitere wurden als verdächtig eingestuft. Rosenhan, der selbst an dem Experiment teilnahm, bemerkte unter anderem, dass eine als "abnormal" abgestempelte Person ihre eigene Wahrnehmung ändert. Die Lebensgeschichte wurde so umgedeutet, dass sie mit der gängigen Schizophrenietheorie übereinstimmte. Auch die Pfleger in den Anstalten schienen von der Annahme auszugehen, dass die Menschen, weil sie im Krankenhaus aufgenommen worden waren, geistig gestört sein mussten. Konsequenterweise wurden dann auch ganz normale Tätigkeiten, wie etwa das Schreiben von Notizen, als Ausdruck dieser Störung bewertet.


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