Die Kunst des Pinkelns

Stadtleben | Nicole Scheyerer | aus FALTER 40/06 vom 04.10.2006

KUNST IN DER STADT Barbarella Maier bastelt Alltagsobjekte aus Papier. In Wien markiert sie den öffentlichen Raum mit hinterlistigen Skulpturen.

Lieblich plätschert das Wasser am Rilkeplatz. Barbarella Maier schaut zufrieden auf ihr Kunstwerk. Der Brunnen liefert die perfekte Soundkulisse für die Skulptur, die die Schweizerin gerade an einem Baum befestigt hat. Von der Ferne täuschend echt, hängt dort jetzt ein Pissoir. Nein, keines aus Porzellan, sondern das gedruckte Bild eines Herrenklos, das durch seinen wattierten Körper an Realismus gewinnt. Noch gehen die Passanten unberührt an dem weiß-grauen Objekt vorbei. Aber das bleibt garantiert nicht lange so.

"Natürlich haben schon Besoffene draufgepinkelt", erzählt die 35-Jährige mit den roten Dreadlocks. "Häufig wirkt es aber wie ein Schlüsselreiz, und die Männer machen dann an den nächsten Baum." Eine Benützung von Maiers Papiertoiletten ist nicht zu empfehlen: Der zurückspritzende Strahl macht den Pisser selber nass. Die


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige