Unter Raben

Extra | Manfred Müller | aus FALTER 40/06 vom 04.10.2006

WAHNSINN Andreas Renoldners Roman "Rabenangst" lässt sich fantastisch, philosophisch und satirisch lesen.

Andreas Renoldner zählt seit Jahren zu den produktivsten österreichischen Autoren. Trotz zahlreicher Hörspiele, Romane, Erzählungen und Kinderbücher ist er jedoch nach wie vor ein in Kleinverlagen publizierender, wenig besprochener Geheimtipp, der - wenn überhaupt - zumeist als "oberösterreichischer Autor" in die regionale Schublade gesteckt wird. Seine neun Romane behandeln, als kleine Geschichten verkleidet, in exakter, oft karg anmutender Sprache ganz große Themen, erzählen von problematischen Charakteren und deren Verstrickung in fundamentale Probleme der Gegenwart.

Die Erzählung "Rabenangst" passt gut in diese Ahnenreihe. Mit 175 Seiten nicht allzu lang, erzählt die fein konstruierte, sprachlich (die Dialoge!) und psychologisch überzeugende, in einem Zug zu lesende und dennoch ungemein vielschichtige Charakterstudie von einem gutsituierten Ehepaar jenseits der sechzig.

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