Langsamer Abschied

Extra | Karin Cerny | aus FALTER 40/06 vom 04.10.2006

POST MORTEM Eugenie Kain erzählt in "Flüsterlied" mit bösem Witz vom Bilderverlust im Angesicht des Todes.

Mag sein, dass kurz, bevor man stirbt, das eigene Leben wie ein Film vor einem abrollt. Ungleich aufwendiger ist die Suche nach einem "Lebensfilm" allerdings für die Hinterbliebenen. Wie lässt sich ein fremdes Leben überhaupt rekonstruieren? Welche Bilder sind brauchbar? Wie viele Leerstellen bleiben sogar bei Menschen, von denen man meint, sie gut gekannt zu haben. Die Linzer Autorin Eugenie Kain, Jahrgang 1960, lässt in ihrer Erzählung "Flüsterlieder" eine Frau eine Nacht lang nach einem passenden Foto für die Todesanzeige ihres verstorbenen Mannes suchen. Sie kramt in der Kiste mit Urlaubsfotos und muss feststellen: "Ihr fehlten Bilder von dem, was war, und von dem, was kommen würde." Von ihrem Mann gibt es kaum Fotos, und für die Erinnerungsbilder, die in dieser Nacht auftauchen, müssen erst Worte gefunden werden.

Eugenie Kains Literatur besticht durch ihren lakonischen,


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige