Sie werden euch fressen

Extra | Jörg Magenau | aus FALTER 40/06 vom 04.10.2006

ZIVILISATIONSKRITIK David Mitchells furioser, Jahrhunderte umspannender "Wolkenatlas" umfasst eigentlich sechs Romane unterschiedlicher Genres, die zu einem faszinierenden Panorama historischen Niedergangs verknüpft sind.

Wäre in den vergangenen Wochen nicht so unerträglich viel über Günter Grass und sein Buch "Beim Häuten der Zwiebel" geschrieben worden, dann könnte man David Mitchells "Wolkenatlas" mit einer Zwiebel vergleichen, deren Struktur ein gutes Bild für das Konstruktionsprinzip dieses Romans abgäbe; oder vielmehr: dieser sechs Romane, von denen jeder im vorigen steckt wie in einer Schutzhülle. Weil die Zwiebel aber derzeit vergeben ist, liegt die Metapher näher, die Mitchell selbst einem Physiker in den Mund legt, um damit den Verlauf der Zeit zu erklären. Den stellt er sich nämlich als "eine unendliche Matrioschka aus gemalten Augenblicken" vor. "Jede Puppe (die Gegenwart) wird von anderen Puppen (früheren Gegenwarten) umschlossen, die ich die reale Vergangenheit


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