Brautschau in Brahmpur

Kirstin Breitenfellner | Extra | aus FALTER 40/06 vom 04.10.2006

FAMILIENEPOS Vikram Seths 2000-Seiten-Wälzer "Eine gute Partie" befasst sich auf leichtfüßige und erstaunlich kurzweilige Weise mit der Nationenwerdung Indiens und den bis heute aktuellen religiösen Konflikten.

Stilistisch, das sei hier gleich vorweggenommen, handelt es sich bei Vikram Seth um einen Gegenpart, um nicht zu sagen: ein Gegengift, zu Salman Rushdie, dessen überbordender Metaphernliebe und Hang zu hohler Dramatik Seth Ironie und Leichtigkeit entgegensetzt, eine gute Portion Understatement und einen Fokus auf jene Zwischentöne, auf die man bei dem Literaturberserker Rushdie vergeblich lauscht. Auf diese Weise wird Indien, der eigentliche Protagonist von Seths Meisterwerk "Eine gute Partie", das Land der Tragödien und Katastrophen (von denen es im Roman naturgemäß auch einige gibt), auf Menschenmaß zurückgeholt.

Geboren 1952, aufgewachsen in Indien und mittlerweile in England lebend, ist der studierte Ökonom, der unter anderem auch chinesische Lyrik übersetzt, einer

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