KINDERBUCH-KLASSIKER

Die Super-Nanny

Extra | aus FALTER 40/06 vom 04.10.2006

Wie viele Kinder hatten noch einmal die Waltons? Und die Barbapapas? So geht es auch dem armen Ehepaar Brown in Christianna Brands Kinderbuchklassiker "Nanny Matilda". Das hat so viele Kinderchen, dass es selbst nicht mehr weiß, wie viele es sind. Noch dazu sind die Gören allesamt sagenhaft unerzogen und schlagen Hausangestellte und Kindermädchen in die Flucht, bis - schwups - Nanny Matilda plötzlich vor der Tür der Browns steht.

Hat die liebreizende Mary Poppins die bittere Medizin mit einem Löffelchen voll Zucker versüßt, so zaubert die brachiale Matilda mithilfe ihres Spazierstocks eine Masernepidemie solchen Ausmaßes ins Kinderzimmer, dass die Rangen freiwillig zur Medizinflasche greifen. Matilda wird nach jedem erfolgreichen Akt der Kinderzähmung attraktiver und mausert sich so vom Kinderschreck zur schönen Frau. Über die tiefenpsychologische Bildbedeutung soll hier nicht spekuliert werden, miterleben kann man diese Wandlung auch in der aktuellen Verfilmung "Eine zauberhafte Nanny" mit Emma Thompson.

Ob mir dieses Buch als Kind gefallen hätte? Hmm. Kindlicher Humor ist oft absurder und brutaler, als Erwachsene es für möglich halten. Ob mir dieses Buch als Erwachsene gefällt? Naja. Ob ich gerne eine solche Nanny hätte? Niemals! Weder für mich noch meine Kleinen. Dennoch: ein Klassiker. S. H.-G.

Christianna Brand: Nanny Matilda. Aus dem Englischen von Beatrice Howeg. Berlin 2006 (Bloomsbury). 117 S., E 13,30


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