Politik der Gefühle

Isolde Charim | Extra | aus FALTER 40/06 vom 04.10.2006

PHILOSOPHIE Peter Sloterdijk erklärt den Zorn der Einzelnen zum Rohstoff aller Politik und schreibt so die Geschichte des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart neu.

Zornbank. In einem Falter-Interview mit Peter Sloterdijk tauchte der Begriff erstmals in der Öffentlichkeit auf, mitten in Bawag-Skandal und der Selbstdemontage des ÖGB. Kaum zwei Jahre nach Fertigstellung seiner "Globen"-Trilogie und ein Jahr nach seiner Geschichte der Globalisierung ("Im Weltinnenraum des Kapitals") erscheint nun das Buch zum Begriff: "Zorn und Zeit", mit 350 Seiten ein eher mittelschweres Werk im Ruvre des wortmächtigen Vielschreibers.

Der gleich produktive wie originelle Denker hat mit diesem "politisch-psychologischen Versuch" eine Geschichte des Aufbegehrens vorgelegt und erklärt darin den "Zorn" zum Ausgangspunkt der Politik. Im Gefolge von stoischer Affektkontrolle, christlich-humanistischer Ethik und psychoanalytischer Abwehr gilt uns der Zorn als rein negative und gefährliche Gefühlsregung. Sloterdijk

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