Tiroler Inquisitionen

Extra | Martin Droschke | aus FALTER 40/06 vom 04.10.2006

VOLKSKUNDE Hansjörg Rabanser hat ein entmythisierendes Werk über die Hexenverbrennungen in Tirol vorgelegt.

Die Anklage: Gotteslästerung, Hostienschändung, Paktieren mit dem Satan. Das Urteil: Enthauptung und Verbrennung der Leiche. Verhandelt vor den Landgerichten Kufstein und Innsbruck vom Mai 1719 bis zum August 1722. Der nach aktuellem Forschungsstand letzten Hexenverbrennung in Tirol war ein sich über drei Jahre erstreckendes Verfahren vorausgegangen. Entgegen dem Klischee hatte die Inquisition also nicht kurzen Prozess mit dem der schwarzen Magie bezichtigten Delinquenten gemacht. Auch saß keine rothaarige Frau auf der Anklagebank: Der letzte Scheiterhaufen Tirols galt einem Kind, dem "Zauberbuben" Sebastian Auracher aus der Nähe von Kufstein.

Über das dunkelste Kapitel der Tiroler Kirchengeschichte - die im15. Jahrhundert einsetzende Praxis, aus vorchristlichen Zeiten überlieferte Riten aus dem Volksglauben zu tilgen - wurden bereits etliche Bücher publiziert. Dennoch fehlte


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