Kreisch! Kreisch!

Extra | Gerhard Stöger | aus FALTER 40/06 vom 04.10.2006

JUGENDKULTUR "Bravo" feiert sich zum Fünfziger mit einem vier Kilo schweren Wälzer voll Hysterie und Nostalgie.

Die kritische Würdigung des Jubilars erschien bereits letztes Jahr im Berliner Archiv der Jugendkulturen. "Nicht Bravo veränderte die Gesellschaft, sondern die Trends in der Gesellschaft veränderten Bravo", analysierte Klaus Farin dort im Vorwort zu "50 Jahre Bravo" - um aber im selben Atemzug zu erklären: "Wer etwas über ,die Jugend' oder zumindest den Mainstream, die dominanten Strömungen innerhalb der jungen Generation wissen will, der greife nicht zu klugen Studien deutscher Universitätsprofessoren, sondern abonniere die Bravo."

Am 26. August 1956 erstmals als "Zeitschrift für Film und Fernsehen" erschienen, fand das Bravo über Elvis Presley, die Beatles und die Rolling Stones bald zur Rock-und Popmusik und brachte die neuen Trends der amerikanischen und britischen Jugendkultur in Wort und vor allem Bild in deutschsprachige Jugendzimmer.

Der unglaublich opulente Bildband "Bravo 1956-2006" durchstreift die gesamte Bravo-Geschichte und enthält Abbildungen der mehr als 2600 Heftcover ebenso wie Faksimiles ausgewählter Geschichten, ergänzt um Hintergrundinformationen, aktuelle Interviews und Huldigungen einstiger und aktueller Bravo-Stars. Ein Traum für jeden ehemaligen Teenager, dessen Medienkonsum in jungen Jahren halbwegs normal verlaufen ist! Einziges Manko: Man kann keine Poster rausnehmen aus dem Buch, keine Autogrammkarten und erst recht keine Starschnitte.

Teddy Hoersch (Hg.): Bravo 1956-2006. München 2006 (Rolf Heyne). 784 S., e 60,-


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