STREIFENWEISE

Kultur | Maya Mckechneay, Wolfgang Kralicek | aus FALTER 41/06 vom 11.10.2006

Wenn J. Hoberman in der Village Voice konstatiert, dass Meryl Streep in "The Devil Wears Prada" ("Der Teufel trägt Prada"), der Verfilmung von Lauren Weisbergers gleichnamigem Bestseller, die "furchterregendste, nuancierteste und zugleich witzigste Schurkin seit Tilda Swintons White Witch" abgibt, hat er allenfalls untertrieben. Streep ist superb in der Rolle der (Vogue-Patriarchin Anna Wintour nachempfundenen) Chefredakteurin einer fiktiven Modezeitschrift. Allein ihre eisgrauen Augenbrauen agieren beredter, als es Anne "Lächelt fast wie Julia Roberts" Hathaway ("Plötzlich Prinzessin") in der eigentlichen Hauptrolle je vermag. Aber Streep ist eben auch das einzig Hervorragende an David Frankels Klamotte, die das Zwischenkriegsgenre der Working-Girls-Komödie auf besonders perfide Weise wieder aufleben lässt: An ihrer verbissenen Chefin kann Modebusinessfrischling Hathaway sehen, wohin weiblicher Karrierismus führt, schmeißt nach einigem Auf und Ab das Handtuch und kehrt geläutert zurück zu ihrem Freund, der in der kurzen Phase der Trennung einen richtig soliden Männerjob gefunden hat. Als Alternative empfiehlt sich ein DVD-Abend mit der Male-Supermodel-Komödie "Zoolander". Die ist nicht nur eine der lustigsten Modesatiren überhaupt, sondern auch in Sachen Geschlechterrollen etwas gefinkelter als dieser "Plötzlich Prinzessin"-Klon im Lifestylegewand.

Vor zwei Jahren inszenierte Theateraltmeister Peter Zadek am Berliner Ensemble Ibsens philosophisches Märchen "Peer Gynt". Wie sich jetzt herausstellt, war während der Proben ein Filmteam dabei; die Dokumentation "Peter Zadek inszeniert Peer Gynt" läuft diese Woche im Schikaneder. Fünf Monate dauerten die Proben, was man der eher albernen Inszenierung (die 2004 auch bei den Wiener Festwochen lief) nicht unbedingt ansah. Auch Alexander Nanaus Film liefert leider nur wenig Aufschlüsse; immerhin kann man Zeuge eines hübschen Zadek'schen Wutanfalls werden. Zitat: "Ich kann so nicht arbeiten!"


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