NÜCHTERN BETRACHTET

Idiot Wind

Kultur | aus FALTER 41/06 vom 11.10.2006

An sich mag ich Wetterverschlechterung sehr gern und bin ziemlich sauer, wenn angekündigte Temperaturrückgänge und Niederschläge ausbleiben oder das Schönwetter am nächsten Tag Dienst nach Vorschrift tut, als wär nix gewesen. Sogenanntes Schlechtwetter ist ein guter Sozialist, der die Amplituden überzogener Erwartungen abschleift und für eine kollektive Sediertheit sorgt, welche den Humus der Humanität aufbereiten mag. Der Wind, der sich in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch plangemäß erhob, war indes nicht dazu angetan, meine Aufgeschlossenheit gegenüber den Manifestationen maligner Meteorologie zu befördern, er nervte nämlich gewaltig. Wind ist überhaupt der Wetterhooligan Nummer eins in unseren Breiten - ein unrasierter, selbstherrlich polternder Tunichtgut, der in einem Western am Ende vom Dach des Saloons geschossen werden müsste. In meinem Grätzel hat er zudem die unschöne Angewohnheit, auf äußerst unpatriotische Weise mit einer Fahnenstange und dem zugehörigen

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