Das große Fressen

Stadtleben | Wolfgang Paterno | aus FALTER 41/06 vom 11.10.2006

KULINARIA Eine Ausstellung in der Nationalbibliothek widmet sich der Kulturgeschichte des Kochens und Essens - von der Antike bis zur Gegenwart.

Am Anfang war die Sau. Leopold I., der Vater von Karl VI., dem späteren Erbauer der Nationalbibliothek, kam 1640 als schwächliches Kind zur Welt. Die Ärzte gaben dem Säugling so gut wie keine Überlebenschance, schließlich wurde ein letzter, verzweifelter Versuch zur Rettung des Habsburgers unternommen: Man schlachtete ein Schwein - und legte das Baby in das ausgeweidete Tier. Der animalische Brutkasten wurde regelmäßig erneuert, das Fleisch anschließend geräuchert und unters Volk gebracht: Mager durchzogenes Bauchfleisch ist seit dieser Zeit auch als "Kaiserfleisch" bekannt. Leopold I., der von 1658 bis zu seinem Tod im Jahr 1705 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches war, verdankte sein Leben den Schweinen. Sein Sohn Karl, dessen Statue im Zentrum der Kuppel der Bibliothek am Ring steht, kam durch falschen Lebensmittelgenuss zu Tode -


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